Im Spreewald 2020

 

Für Ende September hat Andreas eine Fahrt in den Spreewald angeboten. Eine Woche Spreewald, das ist attraktiv. Für uns ein vollkommen unbekanntes Revier. Das Wetter verspricht weiterhin Bestes.

Andreas hat schon zur Jahreswende die Standplätze auf dem sehr gepflegten Campingplatz in Lübbenau reserviert, dann die Touren ausgewählt und die tägliche Fahrtenleitung übernommen.

Wir sind schließlich neun Paddlerinnen und Paddler, die täglich um 10 Uhr bei zumeist bestem Wetter direkt am Anlegesteg des Campingplatzes ihre Boote wassern konnten.

 

Die zahlreichen Gewässerzüge sind anfangs etwas verwirrend für den Spreewaldneuling.

Die Wasserwanderkarte „vom Ort“ ist auf den ersten Blick nicht ganz leicht zu lesen. Sie ist aber auf den zweiten Blick doch recht übersichtlich aufgemacht, erschließt sich beim dritten Hinsehen schnell und ist insgesamt sehr zu empfehlen:

Wasserwandern Spreewald. Wasserwanderkarte vom Spreewald bis zum Schwielochsee. Heimat-Verlag Lübben, 10. Auflage 2019. ISBN-10 3929600234. Sie ist in der Rezeption des Campingplatzes für kleines Geld erhältlich.

Marianne hat nachträglich versucht, die gepaddelten Strecken einzutragen. Hoffentlich stimmt das so.

 

Hin und wieder muss jedenfalls an den Kreuzungen der Wasserwege die Richtung geprüft werden.

 

Aber Andreas kennt sich aus, und geleitet uns ohne Um- und Irrwege durch das Labyrinth wunderschöner Fleete und Kanäle.

Der Weg führt durch einsame Fließe in bewohnte Gebiete.

 

Einige von ihnen sind beachtlich touristisch erschlossen.

Wir sind auch Touristen, nämlich Wassertouristen.

Die Spreewaldkähne erfreuen sich bei den zahlreichen Gästen großer Beliebtheit und sind durchweg gut besetzt.

Sie haben Vorfahrt, bewegen sich aber sehr fair und zuvorkommend auf dem Wasser. Das machen wir auch.

Manchmal kommen auch mehrere Kähne entgegen, oder können überholt werden.

Dann wird es gelegentlich etwas eng.

Es gibt liebevoll herausgeputzte Häuser.

 

 

 Die auch gut bewacht sind.

Vielfach sind Felder, Gehöfte und die Häuser in den kleinen Ortschaften nur über den Wasserweg erreichbar.

 Nach den Durchfahrten durch wunderbar gepflegte Örtchen geht es wieder in idyllische Wasserlandschaften.

Die Gewässerzüge haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für den Waren-, Personen und landwirtschaftlichen Transport. Sie sind gut unterhalten und vielfach auch sehr gut beschildert.

Mit der Saison 2015 wurden wichtige Knotenpunkte der Spreewaldfließe mit Hinweistafeln versehen. Sie helfen sehr.

Viele Stauwehre sorgen für eine möglichst konstante Wasserhaltung.

Das ist hier von besonderer Bedeutung. Denn ein beachtlicher Teil des Oberflächenwassers der Spree und des Grundwassers wird dazu verwendet, im Zuge der Renaturierung die riesigen Tagebaulöcher der aufgelassenen Braunkohlereviere in der Lausitz langsam zu fluten. Das wird noch etliche Jahre andauern und viele Kubikmeter Wasser in Anspruch nehmen.

Die Wehre sind vielfach mit Schleuseneinrichtungen verbunden, die bestens „in Schuss“ sind und sehr einfach zu bedienen.

 Schleusen macht Spaß. Besonders mit diesen Schleusenmeistern.

 

Und unvermittelt zwischendurch:  Koos hatte Geburtstag und gibt einen echten niederländischen Genever aus – lecker!

 

 An einigen Stauwehren finden sich Rollschleppen, die ein sehr bequemes Übertragen ermöglichen, das in einem einfachen Drüberschieben oder - ziehen besteht und ruckzuck geht.

Dann umfängt uns wieder die stimmungsvolle Wasserlandschaft.

Stille und Einsamkeit.

 Mal mit eindrucksvoll hohen Bäumen.

 Oder wiesenflussartig.

 

 Gelegentlich auch mit spürbarer Strömung.

 

Dann wieder fast wie ein Kleinfluss.

 

Auf diese Weise paddeln wir also in vier Tagen rund 85 km.

An dem Mittwoch fahren wir allesamt mit unseren Fahrrädern nach Burg. Eine gute Radwanderkarte gibt es auch an der Rezeption. Paddelruhetag. Ebenfalls bei wunderschönem Wetter. Zuerst ein Eis in der wunderbaren Eisdiele gleich rechts an der Kreuzung. Dann in die nett hergerichtete Hafenanlage von Burg, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Am Freitag ist das Wetter schlecht, mit Regen, Wind und deutlicher Abkühlung. Es wird Herbst.

Wir nutzen den Tag für einen Ausflug in das Besucherbergwerk in Lichterfeld, im aufgelassenen Lausitzer Braunkohletagebaugebiet mit der stillgelegten Abraumförderbrücke F 60.

 

11 000 Tonnen schwer, 80 Meter hoch, 200 Meter breit und einen halben Kilometer lang.

Sie soll die größte bewegliche Maschine der Welt gewesen sein. Sie war zur Wende fast fertiggestellt, aber danach nur für wenige Monate in Betrieb. Der Tagebau für die Braunkohle war in dieser Grube letztlich nicht wirtschaftlich. Es gab nur einen abbauwürdigen sowie nur ca. 10 - 12 m mächtigen Kohleflöz unter 60 m Deckschicht (daher wohl die Bezeichnung „F 60“). Diese ungeheuren Mengen Bodenmaterials mussten also erst von dieser gigantischen Maschine abgeräumt werden, bevor der schmale Flöz erreicht werden konnte. Das war nach der Wende für zu aufwändig befunden worden.

Allerdings machte das Projekt vor der Wende durchaus Sinn. Die DDR hatte seinerzeit andere Prioritäten in der Energiegewinnung. Man war darauf angewiesen, jede Möglichkeit zu nutzen, um Bevölkerung und Industrie devisensparend aus eigenen Ressourcen zu versorgen.

Und die Anlage selbst war seinerzeit absolut „Hightec“, also eine technische Meisterleistung von Weltstandart. Dennoch wurde auch sie „abgewickelt“. Zahlreiche und auch viele besonders qualifizierte MitarbeiterInnen verloren Job, Einkommen und Lebensperspektive.

All das wird im Besucherzentrum und auf den Schautafeln einschließlich Videos sehr anschaulich erläutert. Ebenso die Bemühungen um den Erhalt als Technisches Denkmal. Die fast neue Anlage konnte durch Bürgerinitiative vor der Verschrottung gerettet werden und ist jetzt ein Industriedenkmal mit überregionaler Anziehungskraft. Sie ist für Besucher gut erschlossen, fast in voller Länge und Höhe begehbar und die höchste Aussichtsplattform befindet sich knapp 80 m über dem Erdboden.

Die sehr informative Homepage findet sich unter der Adresse https://www.f60.de/  .

Uns ist es aber zu windig, und ich bin ohnehin nicht schwindelfrei. So lassen wir nur die Bilder und die Eindrücke auf uns wirken.

Am nächsten Tag, nach einer Woche in Lübbenau, machen wir uns – leider - wieder auf den Rückweg nach Bremen.

Nochmals besten Dank an Sabine und Andreas, die für unseren Verein diese schöne Fahrt angeboten und durchgeführt haben.

Und an alle Mitfahrerinnen und Mitfahrer, die sicher ebenso tolle Eindrücke von dem traumhaften Paddelrevier gewonnen haben wie wir.

 

Nachbetrachtung:

„Unser“ Campingplatz in Lübbenau https://www.spreewaldcamping-schloss.de/ ist ein idealer Standort für Paddeltouren im Spreewald. Direkt vom Anleger des Platzes aus können täglich wechselnde Rundtouren mit Boot und Fahrrad gestartet werden. Autoversetzen ist nicht notwendig.

Allerdings muss ganz frühzeitig reserviert werden. Mindestens ein halbes Jahr im Voraus, besser ein Dreivierteljahr.

Vielfältige weitere Informationen, Karten und Hinweise zum Paddeln und Fahrradfahren im Spreewald finden sich besonders hier:

Aus der Reihe „Kanu Kompakt“ des Thomas Kettler Verlag in dem Band:

„Spreewald“, Ober- und Unterspreewald, 4. Auflage 2019, ISBN 978-3-934014-80-0.

 Sowie natürlich aus dem Jübermann-Verlag in dem Tourenatlas Wasserwandern Nr.5 „Berlin-Brandenburg mit Spreewald“, 6. Auflage 2018, ISBN 978-3-929540-68-0.

RW