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Drei Inseln im Ionischen Meer

 

Ein Artikel in der KANU-Sport Zeitschrift des DKV im Februar 2018 zum Thema „Griechenland von Korfu bis Zakynthos“ lies die Erinnerung an einen wunderschönen Sommerurlaub im Jahr 1990 wieder aufleben:

 

Die griechische Inselwelt mit den Inseln Naxos, Amorgos, Paros, Korfu, Lesbos, Samos, Kos, Kreta und anderen hatte uns schon seit Ende der 1970er Jahre immer wieder angezogen. 1990 sollten die "grünen" Inseln mit italienischem Einschlag unser Ziel sein; es ging Ende August für vier Wochen nach Zakynthos, Kefallonia und Ithaka.

 

Die Anreise

 

Wir erreichten Zakynthos direkt von Düsseldorf aus mit dem Flugzeug in vier Stunden. Rund 75 Euro für 25 kg Übergepäck berechnete man uns damals für die Packsäcke unseres Aerius-Zweier und das weitere Gepäck. Bei der Zollabfertigung am Flughafen auf der Insel Zakynthos bestaunten die Beamten unser noch nicht erkennbares Faltboot. In vier Wochen erwartete man uns mit Boot zurück. Solange trugen wir einen für uns nicht lesbaren Vermerk in unseren Ausweisen.

 

In der Abenddämmerung bauten wir unseren Bootswagen auf, beluden ihn mit all unserem Gepäck und schoben los in Richtung Inselhauptstadt. Ein kleiner Sportplatz am Rande der Stadt war unser Schlafplatz für die erste Nacht.

 

Zakynthos

 

Nach Aufbau unseres "Clipper", Gepäckverstau, Einkauf und ersten Erkundigungen bei einem einheimischen Fischer starteten wir in Richtung Südosten.

 

 

Er hatte uns unbeständiges Wetter für die kommenden Tage vorausgesagt und sollte damit auch Recht behalten. Die Hauptstraße mit ihrem Lärm verfolgte uns noch einige Stunden. Alle Strände dieser Etappe waren touristisch erschlossen und von einem bunten Gemisch von Badegästen bevölkert. In der Nacht gab es Wetterleuchten, Wind und später auch Regen.

 

Wir konnten am folgenden Tag erst gegen Mittag nach Abflauen des Windes weiterfahren. Schon bald trieben uns weiße Pingpongbälle entgegen. Das erste Zeichen für die Strände von Laganas, an denen die vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten ihre Eier abgelegt hatten. Wind und Wellen hatten einige dieser kugelrunden Eier freigelegt, so dass sie in der Bucht umherschwammen. Wir mieden diese unter Naturschutz stehenden Strände und suchten in einer Taverne Schutz vor einem Gewitter, das sich mit "Ambosswolken" angekündigt hatte. Auch in der Nacht ließen uns Sturm und Wetterleuchten nur wenige Stunden zur Ruhe kommen; Sand peitschte durch die Zeltbelüftung. Gegen Mittag flaute der Sturm ab. Die Wellen in der Bucht glätteten sich, und wir konnten weiterpaddeln in Richtung Südspitze.

 

Am Kap trafen uns Fallböen aus allen Richtungen. Viele Motorboote tuckerten durch den mit wunderschönen Grotten durchsetzten Küstenstreifen und nervten an der ansonsten stillen Küste.

 

Nach einer Pause im spärlichen Schatten eines Steins mussten wir hinter dem Kap gegen Wind und Wellen anpaddeln. Uns begleitete Steilküste. Eine "Nase" und noch eine "Nase" und wieder eine "Nase" musste umrundet werden, ohne dass sich ein Übernachtungsplatz anbot. Der Wind wurde stärker, die Steilküste flacher, dafür aber zerklüftet und gezackt. Schließlich fuhren wir in eine kleine Bucht dieser Zackenküste hinein. Sie entpuppte sich als Flussmündung für Regenzeiten und war nur zur Not zum Anlanden geeignet. Zum Glück paddelten wir weiter. Denn in der folgenden Bucht war es deutlich geschützter. Auf dem Dach eines Bootsschuppens konnten wir sogar ziemlich waagerecht schlafen und uns von Mücken piesacken lassen.

 

Geweckt von Gewehrschüssen - es war Jagdsaison auf der Insel - wollten wir unser Frühstück vorbereiten und erlebten eine Überraschung. Nachts hatten Nagetiere unsere Tomaten, die Ölflasche (Plastik!) und auch unsere unbenutzten Müllsäcke angefressen! Alles Übrige war unversehrt. Beim Frühstücken auf schrägen Steinen konnten wir kleine Krebse beobachten und sehen, wie die Schaumkronen draußen auf See weniger wurden.

 

Nach einem langen Küstenabschnitt mit steilen, weißen Kliffs und vereinzelten Grotten erreichten wir die hübsche Bucht von Vromi, ein schmaler Einschnitt mit Steilufern, der sich weitete und einen natürlichen Schutzhafen bot, gut besucht von kleinen Motorbooten und größeren Yachten. Auf der weiteren Fahrt wurden die Grotten zahlreicher; sie spiegelten das Meer in allen Farben von blau bis türkis. Wunderschön! Eindrucksvoll auch die Bucht von Navagio mit einem verfallenen Wrack, einem Schmugglerschiff, das 1980 in stürmischer See gestrandet ist. Für mich kein akzeptabler Übernachtungsplatz! Wir fanden schließlich einen schmalen Schlafplatz vor einer Kalkwand, von der über einen "Notausgang" bei Wind und Wellen eine Flucht ins Landesinnere möglich gewesen wäre. Die Nacht war unangenehm. Steinchen und Steine rieselten und polterten vom Kliff, die Brandung kam höher; wir mussten mitten in der Nacht vor Gischt und Steinschlag unter einen Wandüberhang ziehen. Wir brachen morgens früh auf, wobei beim Frühstück ein Skorpion diagonal über den "Küchentisch" stolzierte.

 

An der Nordspitze von Zakynthos war viel Betrieb mit kleinen und größeren Booten, die Besucher entlang der Küste zu den "Blauen Grotten" brachten, die durch Lichtreflexe ihren faszinierenden Blautönen erhalten. Der kleine Ort Korithi lebt von diesen Touristenfahrten und vom Fährverkehr zur größeren Nachbarinsel Kefallonia. Auch wir vertrauten zum Übersetzen nach Pessada der Fähre mehr als uns: „Two men in one boat are alone.“ Zwischen den Inseln gab es regen Schiffsverkehr, und es stand eine kräftige Westdüse mit beachtlicher Dünung. Eine weise Entscheidung, die Fähre zu nehmen. Am nächsten Tag sahen wir in der ersten Bucht von Kefallonia den Gedenkstein für einen verschollenen Surfer, der es in der umgekehrten Richtung versucht hatte.

 

Kefallonia

 

Sie ist die größte und höchste der sieben Inseln des Ionischen Meeres. Grüne Hänge mit Kiefernwäldern oder Weinfeldern ziehen sich bis an die Küsten herunter.

 

Nach einem erfrischenden Bad und gutem Frühstück starteten wir mit Rückenwind Richtung Osten und kamen zügig voran bis an die Bucht von Katelios. Dort fanden wir einen prima Strandplatz für die Nacht und saßen bis in die Nacht hinein unter Olivenbäumen in einer Taverne bei vorzüglichen Speisen. Poros war unser Ziel für den kommenden Tag. Kefallonia wurde auf ihrer Ostseite immer grüner. Poros selbst liegt außergewöhnlich schön an einer eindrucksvollen Schlucht. Der abendliche Gang durch den Ort zeigte wie nett Touristenunterkünfte gebaut sein können: nicht mehr als zweigeschossig, eingebettet in gewachsenem Baumbestand.

 

 

Auch am folgenden Tag brannte die Sonne heiß und verführte immer wieder zu Badepausen an winzigen Kiesstränden in kleinen Buchten. In der Bucht von Sami strandeten wir direkt vor dem Campingplatz, der unser Schlafplatz wurde und uns die Gelegenheit bot, nach acht Tagen erstmals mit Süßwasser zu duschen. Die sagenumwobene Insel Ithaka, Heimat des Odysseus, ist von hier nur durch eine schmale Meerenge getrennt, so dass wir am folgenden Tag den Inselsprung gefahrlos wagen konnten.

 

Ithaka

 

Ithaka ist an der Ostseite besonders reich gegliedert und bietet viele Anlandemöglichkeiten. Wir suchten uns eine wunderhübsche Bucht aus, in die leider im Laufe des Abends acht weitere Boote, Motor- und Segelyachten einliefen. Wasserskifahren und Disko an Bord bis Mitternacht waren angesagt. Am folgenden Tag gehörte sie jedoch uns allein, so dss wir eine wohlverdiente Paddelpause einlegen konnten und uns die Zeit mit Schnorcheln, Baden, Sonnen und Lesen vertrieben.

 

 

Auf dem Weg nach Vathy, dem Hauptort der Insel, zeigten uns dicke rote Quallen und trüberes Wasser die Kläranlage der Insel an. Vathy, ein Naturhafen, liegt tief eingeschnitten in einer rings herum mit terrassierten Weinbergen und Olivenhainen bewachsenen Bucht. Im Hafenbecken lag eine 164m lange Motoryacht; stinkreiche Amis, die in den Tavernen "einen draufmachten" und die Attraktion des Hafens waren. Unser Schlafplatz an Badestrand war Treffpunkt der Liebespaare der Stadt. Wir wurden Ohrenzeugen eines dramatischen Streites eines Pärchens, der gottlob unblutig ausging.

 

 

Es zog wieder ein Wetter auf, das am nächsten Morgen die Höhen von Vathy im Nebel versteckte. Dennoch setzten wir unsere Fahrt fort zur Bucht von Kioni. Drei alte Windmühlen zeigten uns die Einfahrt in die Bucht, deren Ufer von Sommerhäusern und neu hergerichteten Villen des "Greek Islands Club", einem englischen Ferienclub, umgeben sind. Wir fanden an einem kleinen Kiesstrand mit Olivenhain ein nettes Plätzchen für Boot und Zelt und richteten uns wegen der Schaumkronen draußen auf See auf einen längeren Aufenthalt ein.

 

Zwei Tage mussten wir "abwettern", was auf angenehme Weise mit einem Wandertag und einem Lesetag geschah. Am dritten Tag waren wir nicht mehr zu halten. Wir packten unsere Habseligkeiten, kauften im Ort - da Wasser knapp und die öffentlichen Wasserhähne versiegt waren - Mineralwasser in Flaschen und starteten Richtung Norden.

 

Die Bucht von Frikes kürzten wir ab, auf dem Festland aufkommendes Gewitter ließ uns zügig durchziehen. An der Nordspitze packte uns die Nordwestdünung bei der Einfahrt in die Bucht von Afales. Fahrstuhlfahren war angesagt. Uns blieb bei aufkommenden Wellen nur die harte Landung an einem kleinen Sandstrand, die mit einer ordentlichen Pütz Wasser im Boot verbunden war. Hirten hatten sich eine  Bank gebaut und einen ebenen Schlafplatz aus Sand aufgefüllt, was uns zugutekam und uns zu einer angenehmen Nacht verhalf.

Das Glockengeläut der Ziegen weckte uns am frühen Morgen, doch bevor die Herde unseren Schlafplatz erreichte, hatten wir unser Boot gepackt und zogen bei glatter See an dem beeindruckenden Kap an der Nordspitze vorbei und per Inselsprung auf Fiskardo zu, das im Norden Kefallonias liegt. Der kleine Ort begrüßte uns mit einem wunderschönen Leuchtturm, bietet aber außer hübschen alten Häuschen aus dem 19.Jahrhundert wenig Sehenswürdigkeiten, so dass wir wieder per Inselsprung zurück nach Ithaka paddelten und Stavros ansteuerten.

 

Der alte Hafenort, von dem Odysseus nach Troja in See gestochen sein soll, ist beschaulich und dank der Fischer voller Leben. Im höher gelegenen Hauptort konnten wir gut und reichlich essen. Frühmorgens kamen die Fischer das erste Mal an unserem Schlafplatz am Strand vorbei. Nach ihrer Rückkehr rollten wir uns aus den Schlafsäcken und wollten frühstücken. Das Ventil unseres Gaskochers ließ sich aber nicht mehr öffnen. Es war durch das Salzwasser festgerostet. Mit Hilfe der Zange eines Fischers und Motoröl machten die Männer es wieder gängig und kamen darüber miteinander ins Gespräch. Ungern verließen wir diesen freundlichen Ort.

 

Der Ausgangspunkt der Inselumrundung war erreicht. Nach kurzen Rast an der Spitze verabschiedeten wir uns von dieser wunderschönen, wasserarmen aber so reizvollen Insel.

 

Und wieder Kefallonia

 

Kaum eineinhalb Stunden Paddelzeit, und wir konnten an einem Strand südlich von Sami wieder auf Kefallonia anlanden. Von unserem Schlafplatz sahen wir, wehmütig und wespengeplagt, noch einmal auf die Höhenzüge von Ithaka: wir waren schon auf dem Rückweg.

 

Die Etappe von Poros nach Katelios verging wie im Flug. Dort machten uns Badegäste auf klares, kaltes Süßwasser aufmerksam, das aus einem Stein herausquoll und endlich wieder zu einer Süßwasserdusche verhalf. Unser nächstes Ziel sollte der Strand von Lourdata werden, der uns auf der Hinfahrt als "Traumstrand" erschienen war.

 

Wir fanden unseren Traumstrand, ein schönes Plätzchen, wieder mit fließendem, klaren Süßwasser. Doch kaum hatten wir unser Zelt stehen, begann es zu regnen und aufzubriesen. Der Himmel verfinsterte sich. Über Zakynthos blitzte es, in der Ferne zog eine Wasserhose entlang. Die ganze Nacht taghelles Wetterleuchten aus allen Himmelsrichtungen. Am folgenden Tag brauste die Brandung weiter. An Paddeln war nicht zu denken. Ein Strandspaziergang mit Aufstieg war angesagt. Der Blick von oben über unseren Traumstrand und die See. Am nächsten Morgen kehrten sich die Schaumkronen um und zogen von Ost nach West. Dann sprang der Wind wieder um; Das Wetter war durchgezogen.

 

Nach Wäschewaschen mit Quellwasser und Schachspiel beschlossen wir, am darauffolgenden Tag, trotz der Brandung zu starten. Drei Wellenkämme und mehr, gut einen Meter hoch. Ich wurde ins gepackte Boot gesetzt, erhielt die Paddel und hatte das Boot mit der Nase in den Wellen zu halten. Reinhard schob das Boot durch die Brandung und schwamm hinterher bis in ruhigeres Wasser, um dort von hinten ins Boot nachzusteigen. Besatzung klatschnaß, aber Boot trocken. Auf dem Wasser zweieinhalb Stunden für acht Kilometer, Wind und Wellen gegenan bis zur Einfahrt in den kleinen Hafen am Fähranleger. Zur Belohnung speisten wir fürstlich in einer kleinen, properen Hotelanlage. Ein toller Tag.

 

In der Morgendämmerung das Stampfen der Fähre, die uns wieder zur Insel Zakynthos bringen sollte.

 

Zurück auf Zakynthos

 

Schon an der Nordspitze von Zakynthos wurde das Wasser ruhiger, und in der Bucht von Korithi war es spiegelglatt. Wir nahmen ein zweites Frühstück und starteten in Richtung Zakynthos Hauptstadt. Die Küste war flach und sanft, störend einige schmerzhaft anzuschauende Hotelklötze. Wir fanden die Schwefelquellen von Xigani und badeten eine Bucht weiter in immer noch schwefelhaltigem Wasser. Ein merkwürdiges Gefühl; es stank, sollte aber gesund sein.

 

 

Die Geräuschkulisse von Zakynthos-Town war ungewohnt und laut. In den verbleibenden drei Tage bis zu unserem Abflug begaben wir uns auf übliche Touristenpfade. Mit geliehenen Fahrrädern erkundeten wir das Landesinnere und besichtigten die Reste der einst mächtigen Festung von Zakynthos, die wie nahezu der gesamte Ort bei dem großen Erdbeben von 1953 stark zerstört worden war.

 

Am Flughafen entfernten die Beamten den Bootsvermerk in unseren Ausweispapieren und staunten über unsere Tour. 359 km haben wir in knapp vier Wochen zurückgelegt, mit vielen paddelfreien Tagen, und keinen einzigen Kilometer davon bereut.

 

 

Wir waren im Jahr 2000 noch einmal mit zwei Faltbootzweiern in diesem Revier. Mit einem befreundeten Ehepaar vom Störtebeker Bremer Paddelsport haben wir die Ostküste der Insel Zakythos und einen Teil des Süd- und Ostküste Kefalineas erpaddelt. In dem zwischenzeitlich vergangenen Jahrzehnt hatte der Tourismus einen enormen Aufschwung erfahren und sich weitere Küstenstreifen erschlossen. Doch auch an diese Reise mit schönen Badeplätzen und aufschlussreichen Einblicken in die kulturelle Entwicklung dieser Inseln erinnern wir uns gerne.

 

 

 

© Marianne Grewe-Wacker und Reinhard Wacker