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Oderpaddeltour vom 18. Mai bis 3. Juni 2013 Carla Frenzel/FWB

Unsere geplante Paddeltour sollte diesmal von Breslau nach Stettin gehen. Wir 4 trauten es uns zu, noch einmal unbekanntes Gewässer zu erforschen. Ein bisschen Vorarbeit hatten wir geleistet. Hilmar Schmitd aus Schwedt gab uns seine Etappen (er organisiert alle 2 Jahre eine Oderfahrtsteht im Sportprogramm) und die Adresse von Ewa und dem Bootshaus Pegaz in Breslau. Nun ja, das andere konnten wir selbst. Eva und Hanna fuhren zusammen, weil sie nicht ganz bis Stettin wollten ,und Hildegard und ich im anderen Auto. Die Fahrt verlief glatt und ruhig dank Navi, Fahrerwechsel und einer Übernachtung in Polen. Das war gut, denn Ewas Adresse war etwas ungenau. Wir irrten ziemlich lange in Breslau herum, junge Leute mit dem Fahrrad hatten dann das Bootshaus entdeckt und Ewa erwartete uns schon sehnsüchtig.

Sie begleitete uns zum Bootshaus Pegaz, wo wir aber wegen Bauarbeiten vor dem Haus nicht zelten konnten. Dafür konnten wir im Clubraum unser Quartier aufschlagen, Küche, Dusche und WC benutzen. Wer allerdings das Ruderbootshaus von Tangermünde ( wie mag es jetzt nach dem Hochwasser dort aussehen?)vor Augen hat, muss kräftig schlucken und 1000 Abstriche machen. Die Gastfreundschaft jedoch ist überwältigend. So legten wir zwei Ruhetage in Breslau ein. Die Altstadt ist für gute Fußgänger schnell zu erreichen, für müde Füße bietet sich die Straßenbahn an. Die Autos konnten wir bei Ewas Freunden lassen und so starteten wir am

21. Mai 2013 von dem anderen Bootshaus in Obowice, das aber zu Pegaz gehört, hinter einer Schleuse. Ewa hatte bei 2 Schleusen ,die erste in Redzin, bei km 260, angerufen, daß 4 Paddlerinnen aus Deutschland kämen und gegen 12.00 Uhr geschleust werden möchten. Wir schafften es gerade. Die Schleusenwärterin ließ einen Wurfsack herunter, wir bezahlten 16 Sl (4€) und wurden durch die riesige Schleuse in die Freiheit bis zum nächsten Tag, mit der nächsten Schleuse in Brzeg Dolny bei km 280,entlassen. Zelten könnten wir in Uras bei km 274,5 dort wäre ein Zeltplatz mit Dusche und WC. Wir hatten uns immer noch nicht auf polnische Verhältnisse eingestellt. "Gut aussteigen" heißt im Klartext verschlammte Zementrampe oder hohe Schwimmstege, an denen Motorboote liegen; aber auch hier hilfreiche Hände.

Bedauerndes Kopfschütteln, zelten nein, dafür Betten im Haus. Nun ja, für eine Nacht. Das Zimmer eng, die Betten und das Frühstück gut, 16 Sl pro Person. Abendessen aus dem Küchenkoffer in der Abendsonne an der Oder. Wir waren zufrieden. Anschließend ein kurzer Rundgang durch das kleine Dorf und wir fielen todmüde ins Bett.

22. Mai 13 Weiterfahrt nach Lubiaz - 36 km laut Flussführer. Das Wetter ist durchwachsen, Sonne, Wolken, Wind, mal von vorne mal von hinten. Die Oder läuft gut und wir kommen gut voran. Lange Mittagspause in der Sonne auf einer Sandbank. Das große Franziskanerkloster ist schon lange vorher vom Fluss aus zu sehen. Kurz dahinter soll der Zeltplatz sein bei km 311,7. In einer Buhne rechts vor einer großen gemähten Wiese können wir wieder im Schlamm auf einer Betonrampe aussteigen. Mühsam, aber der Zeltplatz ist gut. Es wird sehr windig. Eva und Hanna verschwinden in einer Senke im Windschutz. Wir bleiben vorn auf der Wiese. Klo im Grünen Waschen fällt aus , Stimmung ist gut. Irgendwann kommt jemand und verlangt 16 Sl pro Person. Wir zahlen.Vielleicht gibt es doch irgendwo Wasser und WC auf dem Gelände? Unsere mangelnden Sprachkenntnisse machen uns zu schaffen.

23. Mai 13 Weiterfahrt nach Chobiena - km 349,9 38 km . Dort ist die Rampe einer stillgelegten Fähre. Sie ist ideal zum Aussteigen, aber wo zelten? 100 m aufwärts ist ein Stück Wiese gemäht. Wir transportieren unsere Boote mit dem Bootsswagen hinauf, bauen Zelte auf und werden plötzlich umschwärmt. Wir hatten die Mücken aus ihrem Winterschlaf geweckt. Sie rächten sich bitter. So schnell konnten wir unser Autan nicht finden, wie sie uns stachen. Doch nach Sonnenuntergang fanden wir Ruhe. Die Nachtigall sang unermüdlich und in der Ferne hörten wir Kraniche. Waschen diesmal in der Oder. Im Dorf gegenüber schlug die Kirchturm Uhr die Zeit. Es war so, wie wir uns Wanderpaddeln vorstellen km 375 hier sollte ein Wehr mit Kraftwerk sein,so stand es im Flussführer. Es machte uns ein wenig unsicher, weil nicht zu erkennen war, ob man geschleust würde; aber es entpuppte sich als "Nichts". Es gab dort nichts und danach auch nicht mehr. Die Oder fließt ungehindert weiter ihre Bahn.

24. Mai 2013 Glogau laut Flussführer soll bei km393 in einem Seitenarm ein Bootshaus mit Zeltwiese sein. Die Einfahrt auf der rechten Seite war schwierig zu finden, weil ich von einer früheren Fahrt einen anderen Platz im Kopf hatte. Angler halfen uns wortreich auf polnisch weiter. Unsere Antworten in deutsch waren ebenso verständlich; aber wir wussten die Richtung !!Am Ende des Seitenarms war tatsächlich der Hinweis "Kajaki"; aber es war ein Schrottplatz. Findige Polen hatten ein paar Kajaks zu vermieten, einen schrottreifen Sitzplatz mit Sonnenschirm und viel Mitleid mit uns entnervten Frauen. Was nun?

Doch auch hier hatte einer einen Freund, dessen Freund etwas deutsch könne, den riefen sie an. In der Zwischenzeit transportierten sie unsere Boote mit einem Bulli den Hang hinauf und unser Dolmetscher kam.Er verschaffte uns bei seiner "Mama" ein Quartier. Es war ein Hostel, sehr sauber und gepflegt; aber ohne Verpflegung. Es gäbe doch eine Küche . Die nutzte uns nichts, denn unser Essen war in den Booten und die waren auf dem Schrottplatz in einer eilig leergeräumten Halle hinter Verschluss. Dafür hatte aber seine Frau eine Pizzeria. Dort brachte er uns hin und holte uns später wieder ab. Frühstück? - gab es nicht, dafür einen guten Kaffee in der gegenüberliegenden Tankstelle. Wir waren froh, als wir endlich wieder auf dem Wasser waren.

25. Mai 2013 Nowa Sol, km 430 Die Fahrt nach Nowa Sol war landschaftlich abwechslungsreich und schön. Am Ufer blühten die Akazien und leuchteten silbern in der Sonne. Der Pirol begleitete uns und im noch braunen Schilf sang die Schilfammer- so nannten wir sie, weil wir ihren richtigen Namen nicht kennen. Sie ist sehr schwer an dem braunen Schilf auszumachen.,singt aber unermüdlich. Schwäne schwammen ruhig in den Buchten, und erhoben sich schwerfällig in die Luft, wenn wir näher kamen. Ein immer wieder imponierendes Erlebnis, wie sich diese Vögel in der Luft bewegen. Dann jagte ein kleiner Vogel einen Seeadler. Spannend. Dieser wollte wohl das Nest plündern! Unterstützung bekam der Kleine von zwei roten Milanen Sie stürzten sich auf den Adler. Vor dieser Übermacht suchte er dann doch das Weite.

Es gibt immer etwas zu sehen, wenn man aufmerksam paddelt und der Gegenwind uns nicht aufhält. Vorbei geht es auch an Dörfern, die in der Ferne liegen und an gepflegten Städten, die von der EU gefördert werden. Wieder Mittagspause auf einer Sandbank und endlich ist Nowa Sol in Sicht. Diesmal kannte ich mich aus! Hier ist ein Bootshaus mit Zeltplatz und deutschsprechendem Bootshauswart. Alles ist neu von der EU gesponsert. Der Ausstieg? - wieder eine Betonrampe, aber sauber. Junge Leute tragen unsere vollbeladenen Boote mit Hau-Ruck nach oben. Sie wollen zu einer Regatta und waren dabei den Hänger mit den neuesten Rennbooten zu beladen. Es machte Spaß, ihnen zuzusehen. Der Bootshauswart zeigte uns alles und wir freuten uns auf die Dusche und Küchenbenutzung. Hier wollten wir einen Ruhetag einlegen.

Im Haus schlief eine Gruppe Kenianer die Marathon liefen und von einem Ungarn trainiert wurden. Dieser wurde etwas ungehalten, weil sich Eva länger mit einem von ihnen unterhielt, nachdem sie ihm erzählt hatte, daß ihre Schwiegertochter Kenianerin sei. Der junge Mann strahlte .Es war wohl etwas wie Heimat in ihm angekommen, besonders, als sie feststellten, daß ihre Heimatorte gar nicht so weit auseinander lagen. Diese Gruppe fuhr am nächsten Tag weiter. Schade, daß die fremde Sprache dann doch eine Barriere ist.

Nowa Sol -Neusalz - war einmal eine reiche Stadt. Auch heute gibt es dort noch viele Banken und den Salzhandel? Das konnte uns auch ein Einheimischer nicht beantworten, der sehr gut Deutsch sprach und uns einiges aus der Geschichte seiner Heimatstadt bei einer Tasse heißer Schokolade in einem Café, das wiederum einem Freund gehörte, der uns schon auf Englisch ansprach. Erzählte. Es war eine "echte" heiße Schokolade geschmolzen mit einer Haube Sahne. Zuviel des Guten für meinen Magen!!!! Dieser private Fremdenführer war Manager in einer Gartenzwergfabrik, die Gartenzwerge in die ganzen Welt exportiert.

Nur am Bootshaus waren zwei Skulpturen aus Holz, die etwas von dem Salzsiedehandwerk erzählten. Nach einem Ruhetag und noch immer gutem Wetter ging es weiter am

27.Mai 2013 nach Cigacice bei km 470. 40 km lagen vor uns. Bei diesen Wetterbedingungen, Sonne, Wolken, leichter Rückenwind, konnte ein Paddeltag nicht schöner sein. In Cigacice sollte es wieder einen Zeltplatz mit Dusche geben - eine Marina - , gab es; aber das Aussteigen war schwierig. Die Rampe total vermatscht, die Stege für Motorbootfahrer gebaut und freundliches, aber bedauerndes Achselzucken des Betreibers, der uns dann anbot, über die Badeplattform einer Segelyacht auszusteigen. Wir schafften es alle 4 auf unsere Weise. Hildegard opferte sich und zog mich die matschige Rampe hoch.

Der Zeltplatz entschädigte uns von den Strapazen und wir bauten unsere Zelte auf der gemähten Wiese auf. Dusche und WC waren in einem Container auf der anderen Seite des Industriehafens. Man musste sich also rechtzeitig auf den Weg machen!!!

Eva hatte für heute das Kochen übernommen, so konnten wir weiter in unseren Zelten aufräumen. Unglaublich, wie viel unnützes Zeug man mitnimmt, weil man zu Hause meint, es unbedingt unterwegs haben zu müssen. Es wird ein schöner Abend vor dem Zelt.

Am nächsten Morgen regnet es. Schon nachts pladderte es auf das Zelt und auch der Wind kam nun aus der anderen Richtung. Morgens grau in grau und strömender Regen. Die Wolken hingen tief und versprachen keine Besserung. Deprimiert schlichen wir alle in Hildegards großes Zelt, um erst einmal zu frühstücken.

Um 10.00 Uhr wurde es zwar etwas heller aber die Aussicht über das Wasser wurde nicht besser. Bei diesen Bedingungen- Regen und Gegenwind- 40 km paddeln und dann an einem Zeltplatz mitten in einer Stadt ohne sanitäre Anlagen anzukommen, reizte uns nicht. Also beschlossen wir mit dem Zug nach Breslau zu fahren und unsere Autos nachzuholen. Der Platzwart wollte uns per Internet Zugverbindungen heraus suchen und zum Bahnhof bringen. Es fuhren nur 2 Züge.Ein EC morgens, der war weg und ein Bummelzug mittags, der kam zu spät in Breslau an. Nach kurzer Beratung beschlossen wir ein Taxi zu nehmen, schließlich kosten sie in Polen nicht allzu viel. Nur Taxis gab es angeblich nicht, wäre viel zu teuer; aber sein Sohn könne uns hinfahren für 100 Sl. Das kam uns zwar unwahrscheinlich billig vor, 200 km für 25 €, doch wir nahmen an. Dann konnte sein Sohn doch nicht; aber ein Freund Ö., also kutschierte uns sein Freund mit seinem Citroen . Beim Tanken übernahmen wir die Rechnung, 100 SL für die Fahrt nach Breslau beschämten uns schon. Der Freund sagte, er besuche bei der Gelegenheit seine Kinder, die dort studierten und vielleicht kämen sie mit nach Hause, da am nächsten Tag Fronleichnam sei und ein langes Wochenende.

In Breslau angekommen, lotste uns seine Tochter per Handy zu unseren Autos. Sie standen unbeschadet auf der Wiese bei "Daniel". Unser Fahrer verabschiedete sich, sagte, daß er sich freuen würde, wenn wir bei der Rückkehr in seinem Restaurant zu Abend essen würden und er bekäme nun die 125 €. Keine von uns wagte zu widersprechen, bis Hanna nachfragte "Euro". "Ja," Freund hätte gesagt "Euro". Etwas umständlich suchten wir nun nach unserem "Europortemonnai" und er fragte "Problem?" "Nein" beteuerten wir, "wir hätten nur in Polen keine Euro zum Bezahlen.

Er bekam seine Euro und er verabschiedete sich mit einem fröhlichen "Bis heute Abend" Wir blieben verblüfft zurück. Natürlich war es nicht zu teuer; aber die Tankfüllung hätten wir uns gespart. Wir verabschiedeten und von Daniels Frau, die absolut kein Geld annehmen wollte, das sei Gastfreundschaft, dafür nähme man kein Geld. Sie freue sich, wenn sie wieder einmal helfen können. Wir fuhren nach einem Zwischenstopp in einer Pizzeria, die von Studenten und jungen Bänkern ? besucht wurde, durch strömenden Regen und regem Autoverkehr, dank Navi sicher durch Breslau zurück.

Rechtzeitig zum Abendessen kehrten wir bei unserem Fahrer ein. Es ist ein liebevoll mit alten Möbeln und Bildern eingerichtetes Lokal mit Blick auf die nun in der Abendsonne dahinfließende Oder . Das kredenzte Abendessen schmeckte hervorragend und mit der freundlichen Aufforderung "Bald einmal zurück kommen?!" verabschiedete sich der Wirt. Er war ein bisschen enttäuscht, daß wir nun wirklich keinen Wodka wollten, den er uns doch so gerne ausgegeben hätte. Wir wollten diesen lieber alleine vor unserem Zelt in unserem abendlichen "Heiße Schokolade Trunk von Aldi" genießen.

29. Mai 2013 Krosno Odrzanskie (Crossen) km 514 Zunächst mußten wir ja nun die Autos versetzen. Es ging über schlechte Straßen durch eine wunderschöne Landschaft nach Krosno. Eva lotste uns hervorragend dank ihrer besonderen Fähigkeit des Kartenlesens. Das Auto stellten wir an der "Marina" ab und wir bekamen einen ersten Eindruck, was uns am Abend erwartete. Ein Zeltplatz ohne WC mitten in der Stadt; aber ansonsten schön gelegen.! Etwas spät kamen wir auf das Wasser. Das Wetter und unsere Stimmung waren gut. Mittagspause auf einer Sandbank, bis die Mücken und Gewitterwolken am Himmel uns zur Weiterfahrt trieben. Das Gewitter weit hinter uns, blauer Himmel vor uns, so paddelten wir genüsslich weiter. Am Ufer wieder die silbern schimmernden Akazien und der Pirol. Es ist unbeschreiblich schön, so könnte es bleiben. Plötzlich jedoch ist die Gewitterfront vor uns, Blitze zucken senkrecht in die Landschaft und wir legen Tempo vor.

Gerade noch rechtzeitig kommen wir in Krosno an, machen die Boote zu Dann bricht das Gewitter mit Urgewalt über uns herein.Hagel,Regen aus Kübeln, Blitze und ohrenbetäubendes Donnern. Notdürftig suchen wir Schutz unter einem schmalem Dachvorsprung. Wir sind inzwischen triefendnaß, es wird kalt und der Himmel hellt sich nicht auf. Die Aussicht, in diesem nassen Gras mitten in der Stadt ohne WC zu zelten, ist deprimierend. Vielleicht gibt es in der Nähe ein Hotel? Gibt es! Es hat sogar zwei Doppelzimmer für uns.

So ziehen wir tropfnass mit unseren Paddeln über den marmornen Fußboden der Hotelhalle ein. Einfache Zimmer, aber eine heiße Dusche und ein gutes Abendessen versöhnen uns mit dem scheußliche Wetter da draußen. Unsere Boote liegen unbewacht am Ufer. Dort liegen sie am nächsten Morgen immer noch. Wieder Autos versetzen. Diesmal bis Ratzdorf.

Es soll laut Beschreibung ein Europäisches Jugendgästehaus mit 60 Betten geben. Dort hoffen wir Platz zu finden, wenn das Wetter so unbeständig bleibt. Wir besichtigen es und müssen feststellen, daß es geschlossen ist. Es bedarf dringend der Renovierung. Nun hoffen wir auf "Zeltwetter".

30. Mai 2013, Ratzdorf km 542,6 Es geht bei bedecktem Himmel weiter. Die schier endlos scheinende Fronleichnamsprozession geht über die Brücke, während wir einsteigen. Die Geschäfte sind heute tatsächlich alle geschlossen und die Teilnehmer versammelten sich an der großen Kirche, bevor es losging Es war schon ein beeindruckendes Bild, das sich uns bot. Bei bester Stimmung paddelten wir die friedlich vor uns liegende Oder und genossen den Tag. Manchmal kam die Sonne heraus, die Strömung war gut und wir fanden sogar eine Sandbank für unsere Mittagspause.

Plötzlich hörten wir in der Ferne Donnergrollen. Von Gewitterwolken war nichts zu sehen; aber der Himmel zog sich zu. Also auf nach Ratzdorf. Diesmal wurde der Himmel nur grau. Kein typischer Gewitterhimmel, dafür kamen die Blitze überall heraus und es donnerte und krachte ganz schön. Irgendwo am Ufer das Gewitter abwarten, war nicht möglich. Breite Schilfgürtel und Morast verhinderten ein Aussteigen und Schutz gab es auch nicht. Also durch bis Ratzdorf. Dort angekommen, brach das Gewitter endgültig los. Es goss aus Kübeln. Die legendäre Oder/Neißemündung hatten wir nur kurz gesehen, die Grenze zwischen Polen und Deutschland ungehindert passiert. Ein erhabenes Gefühl, wenn man bedenkt, wie lange dies nicht möglich war. Diesmal stürzten wir ins Auto und ließen die Boote unten am Ufer liegen. An ein Zelten war nicht zu denken. Hohes Gras und matschiges Ufer, wieder das WC im Grünen.

Die Aussicht auf ein frisch bezogenes Bett war bestechend; aber wo? In Deutschland, so teuer dürften hier die Zimmer wohl nicht sein. Weit gefehlt. Erstens war auch hier ein langes Wochenende und die kleinen Hotels voll,die größeren nannten sich Wellness und überstiegen unsere Reisekasse, dann müssen wir wohl wieder in unserem polnischen Hotel übernachten?! Wir freuten uns auf die verdutzten Gesichter, wenn wir wieder patschnass in ihrem Haus ankommen. Sie freuten sich uns zu sehen und wir bekamen ein frischbezogenes Bett.

1. Juni 2013 Krosno. Es regnet immer noch und Eva und Hanna beschließen nach Hause zu fahren.

Frankfurt/Oder: Hildegard und ich wollen in Frankfurt/Oder einen Ruhetag einlegen und dann weitersehen.In Ratzdorf verladen wir die Boote und trennen uns. In Frankfurt finden wir Dank des Navis und eines Telefongespräches mit dem Bootshauswart das Bootshaus . Es hat zwischendurch immer wieder geregnet, nun scheint die Sonne und wir bauen unsere Zelte auf. Wir sind froh, daß wir uns im Haus aufhalten und die Küche benutzen können. Außer uns ist niemand da.

Am nächsten Morgen herrscht reger Trainingsbetrieb und einer zeigt uns auf dem I Phone wenig berauschende Wetteraussichten. Wir hoffen trotzdem. Besichtigen Frankfurt/O auf den Spuren von Kleist, bekommen eine private Führung durch die St. Gertraudenkirche von einer jungen Frau, deren Kinder zu einer Generalprobe in der Kirche sind. Wir bestaunen den unglaublich schönen Flügelaltar eines alten Meisters, der ursprünglich in der Marienkirche war, die vielen Bilder alter Meister an den Wänden und ich bedaure, daß ich so wenig weiß.

Die Kirche wurde nach der Wende? umgebaut. Es wurde eine Zwischendecke eingezogen. Der sakrale Kirchenraum ist nun auf Höhe der ehemaligen Empore.So fällt es gar nicht auf,daß dies einmal eine viel größere Kirche war. Moderne Bänke laden zum Sitzen ein.Unten sind die Gemeinderäume, Kindergarten, Büro, WC und ein Fahrstuhl. Die Gemeinde wäre im Wachsen, erklärte uns die junge Frau. Zu wünschen wäre es; aber viele unserer Gemeinden sind auch nicht lebendiger. Dann sehen wir uns weiter um. Die Marienkirche ist ein Wunder an Raumgefühl. Sie wurde in den letzten Kriegstagen noch zerstört, angezündet und ausgebrannt. Nun stehen die Außenwände und die Säulen noch. Allerdings wurde alles soweit saniert, daß die Kirche erhalten blieb. Ein Verein sammelt Spenden für den Wiederaufbau.

Das Wetter bleibt grau, es scheint trotzdem heller zu werden oder ist es Wunschdenken? Wir schreiben ein paar Ansichtskarten, holen uns Informationen im Tourismusbüro und gehen zurück zu unserem Bootshaus Etwas trübsinnig essen wir unseren an der Grenze gekauften Spargel und trinken die letzte Flasche Rotwein. Dann geht es ab ins Zelt. Die Nachtigall singt, der Wind rauscht in den Pappeln. Der Schlaf holt mich ein, bis gegen Morgen wieder Regen auf das Zeltdach prasselt.. Hildegard weckt mich mit dem obligaten "Morning-Tea". Wir trinken ihn im Haus und sehen trübsinnig nach draußen. Was sollen wir tun?

Hildegard möchte weiter , ich nicht. Ich gebe zu bedenken, daß wir aufgrund des Windes in den Bäumen mindestens Windstärke 4 haben müssen. Das ist zuviel auf der nun breiter werdenden Oder. Der Wind weht aus Nord-West und die Oder fließt genau in diese Richtung. Wir frühstücken erst einmal ausgiebig. Dann stellt Hildegard fest, man könne per Handy auch kostenlos den Wetterdienst anrufen.

Gesagt, getan. Die Prognose ist niederschmetternd. Die Dame am anderen Ende sagt keine Wetterbesserung voraus. Das Tief hängt über Polen fest. Windstärke abnehmend auf 3, Regen aus Nordwest, nach 3 Tagen drehend auf Ost, das wäre natürlich günstig für uns, aber dann bringt der Wind den Regen zurück und dreht wieder auf West 3 - 4. Sie fragt uns zwischendurch immer wieder nach dem Wasser auf der Oder und ob wir denn noch paddeln könnten? Wir verstanden ihr Frage erst, als ein Ruderer uns erzählt, daß an der Elbe, dem Rhein und der Donau Hochwasser bis über 9 Meter sei . Davon hatten wir bisher nichts mitbekommen. Somit war klar, daß wir nach dem Frühstück unsere Sachen packen und nach Hause fahren. Schade!So kurz vor dem Ziel!

Die Rückfahrt war bis Hamburg im Regen. Mein Navi führte uns über Berlin -Hamburg. Ich wollte über Magdeburg; das Navi nahm die Route auch an, sprang aber sofort wieder auf die Berliner Route um, als wir starteten. Wir wollten uns nicht mit ihm anlegen und nahmen lachend die vorgegebene Route . Unterwegs, bei der Pause in einem kleinen Selbstbedienungsrasthaus trafen wir eine Consynodale aus früheren Zeiten. Die Freude des Wiedersehens war groß. Sie kam von der Hochzeit ihrer Enkelin, die mit großem Pomp in Mecklenburg geheiratet hatte. Einer ihrer Enkel begleitete und chauffierte sie. Er begrüßte uns mit einem formvollendeten Diener und bot uns noch lange hinterher viel Gesprächsstoff. Wir verabredeten uns für den Oktober, wenn ich in Bursfelde bin. Hildegard fuhr weiter und ich schlief. Als ich aufwachte, hatte sie die Berliner Autobahn verlassen.

Das Navi führte uns quer durch Hamburg, vorbei am Rödingsmarkt und den Landungsbrücken durch den Tunnel Richtung Flensburger AB. Seine Begründung war Stau auf der anderen AB, dieses sei nun die kürzere Strecke. Nun ja, solange er uns nicht auch noch durch das Alte Land schickte über ließen wir uns seiner Führung und kamen wohlbehalten über die 73 zu Hause an. Hier schien die Sonne !!!!!!

Nun haben wir hier schon 14 Tage herrlichstes Sommerwetter, an der Oder ist tatsächlich das festsitzende Tief und die Menschen in den Hochwassergebieten sind verzweifelt. Die Bilder im Fernsehen zeigen den schier aussichtslosen Kampf der Menschen gegen das Wasser.Sie haben zwar aus der Flut von vor 10 Jahren gelernt; aber diesmal stehen sie vor dem Aus ihrer Existenz, weil danach keine Versicherung sich bereit erklärte, sie neu zu versichern, es sei denn, sie zahlten horrende Preise. Das Wasser geht jetzt am 15. Juni langsam zurück und hinterlässt verzweifelte Menschen, nicht nur in Deutschland, auch in Tschechien

Der Alltag in Bederkesa hat mich wieder. Ich freue mich über meinen kleinen blühenden Garten mit dem Rhododendron, Flieder, Mohn, blauen Lilien ,Goldregen und den zartrosa blühenden Wildrosen. Ein paar Hummeln eilen von Blüte zu Blüte und die Drossel schmeißt das Moos vom Dach auf den Rasen. Dazwischen singt sie unermüdlich. Es ist schön zu Hause.

Gepaddelte km : 292

Material: Kanuführer Osteuropa Gewässer Polens/Oder Brandenburg: Jübermann

Polen: Flußbeschreibungen Leitfaden für die Oder bis Eisenhüttenstadt und Flußkarte..Wurde uns in Bootshäusern überreicht und wurde aus Mitteln der EU/Brandenburg und Polen herausgegeben. (ISBN 978-83-921038-3-7.) wasserfestes Papier mit Spiralheftung

Mapa Odry von Bytom Odrzanski bis Eisenhüttenstadt. Beide sind sehr gut. Höferstraßenkarten Polen/Mittelschlesien und Polen/Ostbrandenburg- Niederschlesien. Sie sind zweisprachig bis ins Detail und darum sehr hilfreich Sprachführer:Kauderwelsch: Polnisch Wort für Wort

Wetteraussichten Handy 33339                                

©Carla Frenzel, Bad Bederkesa , den 15 Juni 2013